Ist doch nur ’ne Ratte…

© Screenshot Twitter/StudioFlorianMehnert

© Screenshot Twitter/StudioFlorianMehnert

Der Künstler Florian Mehnert will am 25. März 2015 eine Ratte erschießen lassen. Unter http://11days.florianmehnert.de/ kann man die Ratte in ihrem Glashaus per Livestream zur Zeit beobachten. Der Videoscreen zeigt einen Blick in das Glashaus der Ratte und ein Fadenkreuz. Man kann sich unter beliebigem Usernamen jetzt schon einloggen und das Fadenkreuz ausrichten.

Am 25. März 2015 um 19.00 h soll dann angeblich eine Waffe scharf gestellt werden, mit der man die Ratte über das Internet erschießen kann.

Florian Mehnert will mit dieser Aktion auf die Gefahr von bewaffneten Drohnen aufmerksam machen.

Er schreitet also zu dem drastischen und illegalen Mittel der Tierquälerei, um auf (s)ein politisches Anliegen aufmerksam zu machen.

Auch wenn mir bewußt ist, daß sich meine Wut, dass eine unschuldige Ratte sterben muss, auf denjenigen richten sollte, der schließendlich aktiv den Abzug drückt, bin ich nichtsdestotrotz genauso wütend auf den Künstler, der dieses Projekt ermöglicht.

Ich bin absolut gegen Tierquälerei (in der Kunst) und sehe nicht, dass man ein Anliegen, das man hat – und mag es noch so respektabel sein – mit dem Töten eines Tieres unterstreichen muss. Ich finde es unethisch, fanatasielos, beifallheischend.

Und was hat Florian Mehnert bei mir erreicht? Ich mache mir kaum Gedanken zu den Drohnen, sondern beschäftige mich mehr damit, wie man diese Ratte retten könnte.

Können wir (das Internet) die Ratte retten ?

Im Blog ‚Spreeblick‘ werden Alternativen zum Töten der Ratte besprochen. Sicher, es gibt in den sozialen Netzwerken Empörung und inzwischen mehrere Petitionen gegen den Kill der Ratte. Obiges Blog sucht nach Alternativen, die wirklich helfen, das Tier zu retten. Es werden Hackerangriffe vorgeschlagen, die die Ratkilling-Site attackieren oder auch physische Angriffe im RL auf den Glaskasten mit Ratte; sprich : zu versuchen, im echten Leben die Örtlichkeit der Ratte herauszufinden und das ‚Experiment‘ – samt Tier – abzubauen. Diese Möglichkeiten zur Rettung der Ratte sind im Übrigen alle illegal.

Und so habe ich mich für das entschieden, was mir als Mensch und Internetuser legal möglich ist :

  • Ich habe Anzeige gegen Florian Mehnert erstattet wegen Tierquälerei.
  • Ich habe den Provider des Künstlers (1und1) gebeten, die Ratten-Abschußseite wegen illegalem Inhaltes vom Netz zu nehmen. Dazu reicht eine Email an : abuse@1und1.de.

Ich fürchte, das ist alles, was ich auf legalem Weg gegen diese abstruse Aktion tun kann.

In your face Florian Mehnert : indexEdit 17.03.2015 :

  • Gerüchten zufolge beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Freiburg inzwischen mit diesem Fall.
  • Florian Mehnert soll zu seinem Projekt befragt worden sein und geäußert haben, die Waffe im Experiment sei nicht echt.

Nachzulesen ist dieses Update bei den diversen Online-Petitionen im Web und auf der Facebook-Seite der Tierschutzpartei.

Eventuell lacht sich der Künstler nun ins Fäustchen, weil er der Internet-Community den Spiegel vorgehalten hat und mit seinem Projekt aufzeigen kann, wie sehr sich Menschen über eine einzelne Ratte aufregen, nicht aber über das Töten von vielen unschuldigen Menschen durch Drohnen weltweit. Fakt ist, er hat angedroht, im Web eine Waffe scharf zu machen, die man über das Internet bedienen kann. Allein das ist ein No-Go. Ich bin mir sicher, es gäbe seriösere und bessere Wege, um sein Anliegen in Kunst zu verpacken. Die ganze Aktion wirkt doch sehr eitel und wie ein Ringen um Aufmerksamkeit für seine Person.

Edit 18.03.2015 : Es ist vorbei.

  • Der Künstler hat sein Projekt am 17.03.2015 um 19.00 h vorzeitig beendet.
  • Am Vormittag des gleichen Tages bekam er unerwarteten Besuch der Polizei und übergab die Ratte freiwillig den Behörden.
  • Die Waffe aus dem Experiment war eine Paintballwaffe. Ein Schuß aus einer solchen Waffe ist für ein kleines Tier tödlich.
  • Nach dem Ablauf des Experimentes, war auf der Webseite zu lesen ‚game over‘ und es wurden Fotos gezeigt von Kindern, die bei Drohnenangriffen verletzt oder getötet worden sind.
  • Der Künstler sagt nun in Interviews, er habe nie vorgehabt, die Paintballwaffe scharf zu stellen.
  • Ich glaube ihm das nicht.
  • Ich hätte es besser gefunden, er hätte sich selbst mit der Paintballwaffe abschießen lassen (natürlich mit Schutzkleidung etc.) und hätte die Ratte einfach in Ruhe gelassen.
  • Florian Mehnert deutet nun mit dem Zeigefinger auf Tierschützer und will ihnen sagen : ‚kanalisiert doch lieber Eure Energie auf Drohnenopfer.‘ Florian Mehnert : Wer bist Du, dass Du uns sagen musst, wofür oder wogegen wir zu kämpfen haben !? Kannst Du hellsehen, dass Du weißt, wofür jeder einzelne derjenigen, die sich über Dein krankes Experiment empören, kämpft ?! Spende mal lieber die enorm gestiegenene Einnahmen, die Du nun durch Interviews hast, an sinnvolle Projekte…

Edit 23.03.2015 : Fragen, die bleiben :

  • Warum blockt Florian Mehnert auf Twitter Leute, die kritische Fragen zum Experiment stellen ?
  • Ist in den Augen des Künstlers eine Ratte weniger wert als ein Menschenleben ?
  • Wer bestimmt, wofür oder wogegen ich mich engagiere ?
  • Warum hat er nicht eine Attrappe als Waffe für das Projekt verwendet, sondern eine Paintballwaffe, die man hätte scharf stellen können ?
  • Kann man dem Künstler glauben, dass er nie vorhatte, die Ratte erschießen zu lassen ?
  • Hat der Künstler begriffen, dass er Leute, die sich engagieren, gegeneinander ausspielt ?
  • Warum nennt der Künstler Tierschützer geringschätzig ‚Rattenretter‘ ?
  • Ist das Kunst ? Kann Tierquälerei Kunst sein ?
  • War es nicht eher ein Tier- und Menschenversuch, gegen den sich Menschen gewehrt haben ?
  • Hat dieses Projekt ein einziges Drohnenopfer gerettet ?
  • War das Projekt ein Erfolg und wenn ’nein‘ warum nicht ?
  • … to be continued…
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